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Die Rolle der Frau in STAR TREK

 

"In der STAR TREK Welt gibt es keine Probleme zwischen Mann und Frau in Hinsicht auf die Gleichberechtigung der Geschlechter. Ebenso sind Hautfarben oder Religionen in der Zeit von STAR TREK keine begrenzenden Faktoren mehr im Zusammenleben der Menschen des 24. Jahrhunderts."

 

Diese Punkte waren auch für Whoopi Goldberg sehr wichtige Kriterien zur Beurteilung der STAR TREK Serien. Ob diese Darstellung der Gleichberechtigung der Geschlechter so stimmt und ob diese für Whoopi Goldberg ausschlaggebenden Kriterien wirklich erfüllt wurden soll in diesem Abschnitt hinterfragt werden.

 

Weibliche Rollen in STAR TREK Classic

Die erste für ein Fernsehpublikum gedrehte Pilotfolge von STAR TREK wurde unter anderem vom Fernsehsender abgelehnt, da eine Frau, Majel Barrett, die Rolle des zweithöchsten Offiziers an Bord der Enterprise innehatte., Die Gleichberechtigung der Geschlechter befand sich 1965 noch auf einem sehr niedrigeren Niveau, verglichen mit den emanzipatorischen Errungenschaften der Gegenwart. Frauen als ausschmückendes Beiwerk waren die Norm, jedoch war es undenkbar eine Frau mit Verantwortung in einer tragenden Rolle zu sehen.

Das "Frauenbild" in den Folgen der STAR TREK Classic Serie scheint die typisch männliche Sichtweise und männliche Phantasie zu bestätigen. Frauen werden häufig als Objekte dargestellt, die, wie Simone de Beauvoir sich ausdrückte, in den Konstruktionen der männlichen Vorstellungen gefesselt und gefangen sind, so daß es ihnen häufig unmöglich ist, ihre eigenen ideale zu leben. Frauen haben kleiner, schwächer, untergeordnet, unterwürfig, gut im Bett, verschlagen und manchmal auch böse zu sein. Männer dagegen sind stärker, mächtiger, moralisch korrekt und von hoher technologischer Bildung. Man könnte fast glauben, daß dieses Rollenbild dem Lied des Prof. Higgins aus "My Fair Lady" entnommen ist, in dem er das männliche mit dem weiblichen Geschlecht vergleicht. Daher wirken auch die meisten Frauen in der STAR TREK Classic Serie wie Barbie Puppen. Ihre Rolle ist meist die eines fremdartigen Aliens welches, schön, sexy, verführerisch und entweder gutartig und hilflos oder bösartig ist. Über diese Frauenrolle schreibt Rosemary Jackson in ihrem Buch "Fantasy: The Literature of Subversions" (S. 121 - 122):

"The shadow on the edges of burgeois culture is variously identified, as black, mad, primitive, criminal, social deprived, deviant, crippled, or (when sexually assertive) female. Difficult or unpalatable social realities are distorted through many literary fantasies to emerge as melodramatic shapes: monsters, snakes, bats, vampires, dwarfs, hybrid beasts, devils, reflections, femmes fatales. Through this identification, troublesome social elements can be destroyed in the name of exorcising the demonic."

Natürlich ist der Exorzist, der zum Wohle der Gesellschaft agiert, in der Rolle von Captain James T. Kirk zu finden. Als Beispiel hierfür sei die STAR TREK Classic Folge Nummer 68 "Elaan of Troyius" (dt. Titel "Brautschiff Enterprise") zu sehen. Eine arrogante, sehr schöne und eigensinnige Priesterin mit großer erotischer Ausstrahlung soll aus politischen Gründen (Friedensstiftung) heiraten. Da sie dieses nicht möchte und auf Selbständigkeit pocht, beschließt Kirk ihr ihre Verantwortung begreiflich zu machen. Nach einer Liebesnacht mit ihm, ist sie auf ihre Pflichten als Friedensobjekt vorbereitet: Liebenswürdigkeit, Passivität, Weiblichkeit, Verführbarkeit und Passivität - also die typisch weiblichen Attribute einer patriarchalischen Gesellschaft. Kirk scheint ihr mit Hilfe seiner sexuellen Dominanz verständlich gemacht zu haben, daß ihr früheres Verhalten nicht den gesellschaftlichen Normen entsprach und sich zu ändern hatte.

Die weiblichen Figuren in STAR TREK Classic sind leider, wenn sie nicht böse oder verführerisch oder beides zugleich sind, häufig zur Passivität verdammt, was besonders auf die weibliche Crew zutrifft, so daß sie unbedrohlich und nicht anmaßend sind, gleichsam unbeteiligten Beobachtern, denn die sexuelle Ideologie in STAR TREK Classic ist extrem konventionell und entspricht dem Rollenklischee der 60ger Jahre.

Die weiblichen Charaktere haben auch immer das Schicksal, am Ende einer Folge zu entschwinden, d.h. sie sterben, lösen sich auf oder bleiben auf einem Planeten mit armen und schwachen Wesen zurück, um die Figur einer Mutterrolle als Führerin zu übernehmen.

Auch im ersten STAR TREK Kinofilm "STAR TREK - the movie" (dt. Titel "STAR TREK - Der Film") wird eine weibliche Gastrolle etabliert, die am Ende wieder entschwindet. Dieser Charakter ist Ilia, eine Deltanerin, deren Metabolismus sexuell anregende Pheromone absondert, die männliche humanoide Wesen an- und erregen. Ilia soll einen neuen Typ von Frau für STAR TREK darstellen: sehr gut aussehend, sportlich, unabhängig und ohne Ehemann oder Familie - also völlig karrierebewußt. Dieses kann sie jedoch nur dadurch erreichen, daß sie ihre Sexualität aufgibt und ein Keuschheitsgelübte ablegt. Die neue Konzeption war zwar gut gedacht, leider wurde jedoch von den Produzenten des Filmes sehr viel Wert auf die sexuelle Ausstrahlung Ilias gelegt: sehr kurze Kleider, hochhackige Pumps (im 23. Jahrhundert !!), lange Beine und einen sexy Schmollmund. Alles in allem kann "STAR TREK - the movie" nicht stark dazu beitragen, daß Frauen die Art über sich selbst zu reflektieren umgestalten.

Wie schon eben kurz angesprochen ist das Erscheinungsbilden von Frauen besonders in den Folgen der STAR TREK Classic Serie meist sehr phantastisch, exotisch und erotisch, was sich auch schon an ihren Kostümen erkennen läßt.

   

So erklärt sich wohl auch folgende Anweisung für eine weibliche Rolle als Marineschreiberin. Ihre Aufgabe wird als "leichtverständlich" deklariert. Und Ihr Aufgabenbereich definiert sich wie folgt:

"Her qualifications are specifically identified as (1) secretarial capabilities; (2) a talent for making coffee; and (3) providing an attractive target for the eyes of spacemen everywhere."

Das war natürlich nicht das, was sich Roddenberry für seine Enterprise gedacht hatte, denn er wollte mehr auf der Enterprise haben als nur Schaufensterpuppen. Seine Ideen von der Gleichberechtigung der Geschlechter war für die damaligen Zeiten etwas zu viel verlangt. Das Rollenverständnis der NBC-Verantwortlichen war ein anderes. Man kann jedoch nicht sagen, daß es nur chauvinistisch war, denn für die 60ger Jahre war es schon ein großer Schritt, daß Frauen in Science Fiction Serien überhaupt mit an Bord eines Raumschiffes sein durften.

Captain Kirk handelt immer als der Vertreter der männlichen Phantasien mit stereotypen Rollenvorstellungen und hat daher auch häufig Affären mit den frei verfügbaren Damen - natürlich immer mit dem Hintergedanken, eine wichtige Information durch diese Wesen zu erlangen. Er stellt dabei häufig fest, daß die "verführende" Kindfrau meist eine aggressive und / oder anmaßende Frau ist, die sich usurpatorisch die männliche Rolle aneignen möchte, womit sie die natürlichen Traditionen verletzt, so wie in der STAR TREK Classic die Folge Nummer 66 "Wink of an eye" (dt. Titel "Wer summt denn da?").

In der STAR TREK Classic Folge Nummer 74 "Requiem for Methusalem" (dt. Titel "Planet der Unsterblichen") wird die Thematik der Frau als Objekt am deutlichsten. Auf einem verlassenen Planeten hat ein durch ein Medikament unsterblicher Wissenschaftler die perfekte Frau als Androidin, genannt Reena, geschaffen. Sie ist unglaublich schön, erotisch und besitzt ein enzyklopädisches Wissen - nur kann sie leider keine menschlichen Gefühle für ihren Erbauer entgegenbringen. Daher holt dieser Kirk auf den Planeten, da keine Frau ihm widerstehen könne. Mit dieser Schocktherapie hofft der Wissenschaftler, die menschlichen Gefühle in Reena zu erwecken. Nur leider verlieben sich Kirk und Reena ernsthaft ineinander und versucht zu fliehen, wobei Reena in einen Interessenkonflikt gerät. Auf der einen Seite zieht sie die entfachte menschliche Leidenschaft zu Kirk, auf der anderen Seite möchte sie aus Loyalität bei ihrem Schöpfer bleiben. Es kommt zu einem Kampf zwischen dem Wissenschaftler und Kirk. Da Reena weiß, daß sie die Ursache für diese Auseinandersetzung ist, begeht sie Selbstmord.

Hier haben wir ein weibliches Wesen, welches von einem Mann nach seinen Wünschen und Vorstellungen geschaffen wurde um ihm seine Einsamkeit zu vertreiben. Wo im normalen Leben ein Sein ohne die Schöpfer, die Eltern, möglich ist, so ist hier ein Leben ohne den maskulinen Schöpfer unmöglich. Aus feministischer Sicht eine zerstörerische Fessel der Weiblichkeit. Der Interessenkonflikt Reenas zwischen Leidenschaft und Loyalität sei nur eines von vielen Beispielen für den sexuellen Konservatismus von STAR TREK Classic, sagt Karin Blair. Reena ist auf der einen Seite das Ebenbild der treuen amerikanischen Ehefrau der 60ger Jahre jedoch andererseits das männliche Sexobjekt:

"Just as Reena was put together piecemeal by the scientist, so the femme-object is created in the imagination of society: a certain Maidenform bustline, a trim waist, Revlon-styled lips, mascara and eye shadow embellishments, and so on."

Die Persönlichkeit einer Frau bei STAR TREK ist scheinbar völlig irrelevant, denn jeglicher Versuch von Frauen in der STAR TREK Classic Serie, Männer zum eigenen Nutzen "zu gebrauchen" geht regelmäßig zu lasten der Frauen - sie erleiden immer Niederlagen. Ein Beispiel hierfür ist die Folge Nummer 66 "Wink of an eye" (dt. Titel "Wer summt denn da?"), in der die schöne Herrscherin Deela Kirk als lebende Samenbank besitzen will, damit ihr Volk weiterleben kann. Die Herrscherin wird von den Freunden Kirks, Spock und McCoy, geschlagen und mit ihrem Volk verbannt.

Viele weibliche STAR TREK Classic Fans ihrer Zeit wurden wahrscheinlich durch die eindeutige phallozentrische Ideologie die STAR TREK präsentiert angezogen. Auf der einen Seite konnte der einflußreiche und gutaussehende Kirk angehimmelt werden; auf der anderen Seite lag der Wunsch nahe, auch einmal zum Objekt des kirkschen Besitzstrebens zu werden. Als Beispiel sei eine Hausfrau aus einer kleinen norddeutschen Stadt genannt, die sich mit ihren damals kleinen Kindern regelmäßig STAR TREK Classic ansah und noch heute, bei der Erwähnung des Themas "Enterprise" nur an die Figur des Captain Kirk erinnert, denn dieser sah ja so gut aus.

 

Spock - die Frau im Mann

Es stellt sich somit die Frage, ob STAR TREK mit seinen nicht lebensfähigen Rollenclichés überhaupt helfen kann, Frauen, die mit dem traditionellen Rollenbild unzufrieden sind, eine Zukunft zu entwerfen, mit der sie sich identifizieren können. Auf der einen Seite steht Captain Kirk, auf der anderen Seite Spock. Kirk ist emotional, Spock unemotional. Kirk wird durch seinen Instinkt geleitet, Spock durch seine Logik. Kirk ist leidenschaftlich, Spock ist kalt. Mit Mr. Spock ist eben diese identifikative Rolle geschaffen worden. Er hat, da er halb menschlich und halb vulkanisch ist, die Problematik, die viele Frauen der 40ger, 50ger, 60ger und 70ger Jahre hatten - er versucht ein vollwertiges Mitglied seiner Gesellschaft zu sein. Häufig wird er jedoch aufgrund seines Aussehens belästigt und diskriminiert, so wie viele Frauen ihrer Zeit sexuell belästigt und diskriminiert wurden. Viele weibliche Fans versuchen, Spock mit sich selbst zu vergleichen, indem sie versuchen den, wie Jung es nennt, männlichen Teil in sich zu entdecken. Gene Roddenberry hat theoretisiert, daß gerade Frauen in Spocks rationales Denken eindringen möchten, um sich mit ihm auf emotionaler Ebene zu vergleichen. Da Spock die absolute emotionale Kontrolle verkörpert, handelt er immer ohne den Zwang, Macht für sich zu erlangen., Viele Frauen haben in den 60ger Jahren den STAR TREK Autoren geschrieben, daß sie sich vorstellen könnten, daß, wenn Frauen selbständiger wären, sie eher zu unromantischen Affären im Sinne der Selbstverwirklichung bereit wären, so wie Spock sie stillschweigend verspricht. Ein sexueller Akt dieser Art wäre eine anonyme Angelegenheit, die Sex und moralische Reinheit miteinander verbinden würde; somit könnte Sex von den normalerweise folgenden sozialen Regeln wie Heirat usw. getrennt werden.

Die Phantasiewelt der weiblichen Fans wurde durch Spock beflügelt. Nicht wenige Frauen der 60ger und 70ger Jahre wünschten sich insgeheim, Kapitän der Enterprise zu sein und alleine mit Spock als Erstem Offizier durch die unendlichen Weiten des Alls zu reisen. Spocks Intellekt ist essentiell für die Ziele von STAR TREK und für seine eigene Persönlichkeit. Daß gerade Spock für weibliche Fans wichtig ist zeigen die Fanpostzuschriften und der hohe Fananteil von Frauen an der Serie. Karin Blair ist der Meinung, daß der Charakter von Spock mitgeholfen hat, ein neues Bewußtsein für Frauen und auch für Männer für den Umgang miteinander zu schaffen. Spock ist nicht nach dem typisch patriarchalischen Mythos geprägt und daher der ideale Partner in einer neuen Gesellschaft.

STAR TREK Classic ist durch die Rolle von Spock eine neue Chance für Frauen geworden. Hierzu noch einmal Karin Blair:

"Even though there are no highly-placed women in the crew and many disposable femmes-objects have appeared on the show, Spock´s presence opens up possibilities that could not exist even if the second in command on the starship were a woman, for a woman would merely be a part of the existing hierarchy. Spock becomes a model for an imaginative encounter with the buried self and encourages the process of critical imagining that can lead to psychic integrity. (The way that he has inspired women to write scripts about him simply proves this power he has as a model.) Because he is a product of our contemporary culture, Spock can speak to women more effectively than other half-man, half-divine hybrids of mythology, such as Pan. The man within the woman slumbers in the contemporary consciousness, waiting for fictional hommes-objects, like Spock. To help him to emerge."

Wie dem auch sei, Roddenberry hätte beinahe ein wirkliches männliches Sexobjekt kreiert. In einer STAR TREK Classic Folge sollte ein Androide mit einer irdischen Frau Sex haben, um an Informationen zu gelangen. Dieses wurde jedoch von den Verantwortlichen von NBC mit dem Satz "Would you like your sister sleeping with one?" vom Tisch gewischt. "Dieses hätte wahrscheinlich ein noch stärkeres Umdenken bei den weiblichen Trekkies bewirkt und die Selbstverwirklichung von diesen Frauen beschleunigt" meinte Karin Blair 1983. Leider konnte Gene Roddenberry diese Idee erst 1987 verwirklichen, 18 Jahre nach dem Ende der STAR TREK Classic Serie. In der Folge Nummer 3 aus STAR TREK - The Next Generation "The naked now" (dt. Titel "Gedankengift") wird der Androide Data von der Sicherheitschefin der Enterprise Lt. Yar verführt - und das, obwohl es nicht um lebenswichtige Informationen für die Föderation ging.

Interessanterweise ist in der STAR TREK Classic Folge Nummer 57 "The Enterprise Incident" (dt. Titel "Die unsichtbare Falle") der romulanische Kapitän eine Frau, und sie bricht einmal wieder die normalen, westlich geprägten Moralvorstellungen wobei sie auch noch eine erotische Affäre mit Spock beginnt. Sie versucht mit Hilfe ihrer weiblichen Reize, ebenso wie Kirk es sonst immer praktiziert, Informationen durch Spock zu erlangen.

 

Weibliche Rollen und STAR TREK allgemein

Der hintergründige Rassismus von STAR TREK Classic innerhalb der Charakterisierung der Klingonen ist kaum zu verneinen und resultiert aus der Geschichte der Entwicklung der westlichen Kultur. Innerhalb der Serie werden wie schon unter dem Aspekt "Politik in STAR TREK" erwähnt, die politischen und sozialen Probleme der Erde der 60ger Jahre eingearbeitet und stark vereinfacht. Klingonen sind immer schlecht. Nur in einem Bereich scheinen sie "etwas gut" zu sein: in der Liebe zu ihrem Ehepartner. In der STAR TREK Classic Folge Nummer 62 "The day of the dove" (dt. Titel " Das Gleichgewicht") tritt der klingonische Kapitän ohne wenn und aber für seine Ehefrau ein.

Man fragt sich, warum die Helden von STAR TREK Classic, Kirk, Spock und Dr. McCoy, immer das "Glück" haben, an Frauen zu geraten, die gefährlich sind. Harvey R. Greenberg glaubt hierin die männliche Angst zu sehen, entmannt oder gedemütigt zu werden, ja vielleicht sogar durch einen faulen Kompromiß das Ego zu verlieren. Spocks Versuche, weiblichen Kontakt zu vermeiden, scheint in seiner chronischen Isolation von seiner Mutter bedingt zu sein, McCoys schmerzvolle Scheidung, die ihn als letzen Ausweg zur Sternenflotte brachte und Kirks Bindungsängste, die seiner Pflichterfüllung angekreidet werden, sind nach Ansicht Greenbergs Indizien für die dargestellten Urängste vor festen Bindungen mit weiblichen Personen. Es scheint leichter zu sein, Frauen als mögliche Zerstörer einer männlichen Gemeinschaft zu präsentieren, als einen anderen Weg nicht ausschließen zu müssen. Insofern sieht Greenberg eine sich hieraus ergebende Tradition, die zwar nicht unbedingt bei STAR TREK Classic anfing, sondern in den TV-Serien der 50ger und 60ger Jahre startete und sich nach STAR TREK Classic auch in den Filmen vom Coppola, Lucas oder Spielberg fortsetzt. Beispiele hierfür sind für ihn die Rollen der einsamen Helden wie von Clint Eastwood, Silvester Stallone, Arnold Schwarzenegger oder Harrison Ford, die militärische Aktionen durchführen, sich mit wahnsinnigen Tätern auseinandersetzen oder Verschwörungen aufdecken. Männer handeln hierbei immer direkt und geradeheraus, Frauen hingegen agieren fast immer hinterlistig, so wie eine Spinne in einem Netz oder sind das ausschmückende blonde, tiefdekoltierte Beiwerk. Somit ergeben sich oft Probleme für die Welt von STAR TREK, denn auf der einen Seite wird für die damaligen Verhältnisse der 60ger und 70ger Jahre ein ungewöhnlicher Liberalismus geprägt, auf der anderen Seite jedoch eine recht sexistisch, chauvinistische Lebensart geprägt. Im Laufe der Zeit bis in die 90ger Jahre hat sich das Rollenbild der Frau in STAR TREK so weit gewandelt, daß heute die Äußerung von Whoopi Goldberg über die Gleichberechtigung der Frau in STAR TREK - The Next Generation oder Deep Space Nine wohl zutrifft. Sie sagte: "In der STAR TREK Welt gibt es keine Probleme zwischen Mann und Frau in Hinsicht auf die Gleichberechtigung der Geschlechter. Ebenso sind Hautfarben oder Religionen in der Zeit von STAR TREK keine begrenzenden Faktoren mehr im Zusammenleben der Menschen des 24. Jahrhunderts."

Man darf bei der Betrachtung des Rollenbildes der Frau in der Welt von STAR TREK jedoch nie vergessen, daß auch schon die für unsere heutigen Verhältnisse chauvinistischen Darstellungen von Frauen, für die Zeit der 50ger und 60ger Jahre revolutionär war. Frauen, die auf wissenschaftliche Touren mitgenommen wurden und nicht hinter dem Herd standen, um auf ihre Helden zu warten, waren in dieser Zeit noch nicht die Norm. Daher war auch schon STAR TREK Classic ein gewaltiger Schritt für die Idee der Gleichberechtigung der Frauen.

 

Weibliche Rollen und STAR TREK - The Next Generation

Es gehörte von Anfang an zum Konzept, daß in STAR TREK - The Next Generation mehrere Frauen tragende Rollen erhielten, die wesentlich aktiver und emanzipierter sein sollten als die von Lt. Uhura aus STAR TREK Classic. Diese neuen Rollen waren die der Schiffsärztin Dr. Chrusher (gespielt von G. McFadden), die der Sicherheitschefin Lt. Yar (gespielt von D. Crosby), die der Barkeeperin Guinan (gespielt von Whoopi Goldberg) und die des Counselors Deanna Troi (gespielt von M. Sirtis), eine Art Supervisorin, die benötigt wurde um nicht nur Gefühle zu analysieren und zu therapieren, sondern auch um die vielen Familien zu betreuen, die auf der neuen Enterprise, der NCC - 1701 D, mit an Bord sind.

In STAR TREK - The Next Generation sollten die Rollen der beiden weiblichen Offiziere, Dr. Crusher und Counselor Troi, mit Inhalt gefüllt werden, damit sie zu interessanten Menschen wurden, um so auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft aufmerksam zu machen. Ob dieses von Anfang an gegolten hat, ist fraglich, denn erst im Laufe dieser Serie begannen sich die weiblichen Rollen zu richtigen Charakteren zu wandeln, indem sie selber aktiv wurden und handelten, anstatt nur auf den Bildschirm zu sehen und zu sagen "Das Hypospray bitte!" oder "Ich spüre, daß ihr Gegenüber nicht aufrichtig ist.". Hierzu bemerkte Marina Sirtis, die den Counselor spielt, in einem Interview:

"Ich glaube nicht, daß wir uns um den Feminismus gekümmert haben. Die Frauen in dieser Serie wirken nie bedrohlich, und ich glaube nicht, daß das realistisch ist. Das ist im 20. Jahrhundert nicht realistisch, also ist es das bestimmt auch nicht im 24. Jahrhundert. Seit Denise [die ehemalige Sicherheitschefin] die Serie verlassen hat, sind nur noch Frauen da, die auf gewisse Weise Ärzte sind; wir sehen keine Frauen in Machtpositionen. Wir sehen zwar weibliche Admiräle, aber die Fans interessieren sich nicht besonders für unsere Gaststars, sie interessieren sich für die Hauptcharaktere, und sie möchten, daß die Frauen in der Serie mehr Macht bekommen."

Interessanterweise ist die Schiffsärztin Dr. Beverly Chrusher, gespielt von Gates McFadden, gerade bei jüngeren Zuschauern von STAR TREK - The Next Generation sehr beliebt. Obwohl ihre Rolle häufig nicht so groß ist, wie einige Fans es sich wünschten, so ist ihr filmischer Charakter jedoch so ausgeprägt, daß viele Kinder sie sich häufig zur Mutter wünschen würden. Zu Ihrer Rolle sagte McFadden in einem Interview:

"Um die Wahrheit zu sagen, es ist die Reaktion der Kinder, die mir bei der Arbeit an STAR TREK am meisten Spaß macht. Es ist wundervoll, daß die Serie so phantasievoll und kreativ ist. Ich freue mich, ein Teil davon zu sein. Ich erlebe oft, daß Kinder mir sagen, sie hätten gerne eine Mama wie Beverly, und sie glauben, ich könnte ihre Probleme lösen. Es ist nicht einfach, in dieser Welt aufzuwachsen. Es ist sehr hart. Aber ich finde es schön, mir vorzustellen, daß ich den Kindern ein wenig dabei helfe."

In den Folgen von STAR TREK - The Next Generation werden dem Zeitgeist entsprechend nun auch endlich frauenspezifische Themen angeschnitten. So ist Deanna Troi ist die einzige Frau in STAR TREK - The Next Generation, die vergewaltigt wird und das gleich zweimal. Das erste Mal physisch in der Folge Nummer 27 "The child" (dt. Titel "Das Kind"), in der sie ohne ihren Willen von einer außerirdischen Lebensform geschwängert wird, und das zweite Mal physisch in der Folge Nummer 112 "Violations" (dt. Titel "Geistige Gewalt"), in der ein Telepat versucht, sie durch seine Fähigkeiten sexuell auszunutzen. Es wird zwar in den Folgen nie direkt von "Vergewaltigung" gesprochen aber nach Sarah Projansky weisen alle Anzeichen und Gefühlsäußerungen von Deanna Troi auf dieses Vergehen hin. Interessant ist hierbei das Verhalten der restlichen Crew, besonders der männlichen. Das Verhalten beginnt bei Zuneigung und Hilfe (Schiffsärztin), über Interesse und wissenschaftliche Betrachtung (Data, Picard) bis hin zu Eifersucht, gekränktem Stolz und Ablehnung (Riker - Ex Geliebter von Troi) und Angst vor dem Ungewissen (Worf, der als Vorwand an eine mögliche militärische Gefährdung des Schiffes denkt). In STAR TREK - The Next Generation werden hierbei alle Facetten der Problematiken durchgespielt die eine Frau in unserer Gesellschaft erdulden muß, wenn sie vergewaltigt wurde und dadurch, oder einfach nur so, ein uneheliches Kind erwartet. Diese Thematik ist gerade für die amerikanische Gesellschaft sehr problematisch, da sich Frauen, die sowohl vergewaltigt als auch ungewollt geschwängert werden, aus der Gemeinschaft, besonders im ländlichen Bereich der USA, ausgeschlossen werden.

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