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Die Geschichte von STAR TREK

 

Wie kommt es, daß eine Serie wie STAR TREK, von der gesagt wird, daß "Sherlock Holmes mehr Geschichte; James Bond, mehr Klasse; Star Wars und Indiana Jones, mehr cinematographische Merkmale haben" so viel Erfolg haben kann?

Die Serie STAR TREK steht tatsächlich in einer Reihenfolge von amerikanischen TV-Serienprodukten, um die Zuschauer zu unterhalten und nicht dazu zu bewegen, auf einen anderen TV-Kanal zu wechseln.

Fernsehserien wurden und werden ausschließlich mit dem Hintergrund produziert, daß sich möglichst viele Zuschauer mit der Serie allgemein oder einer speziellen Figur identifizieren. Wenn dieser Umstand erreicht wurde, ist die Folge, daß dieselben Zuschauer die Serie Tag für Tag weiterverfolgen, um nicht die geringste Kleinigkeit zu versäumen und natürlich dadurch Werbeblöcke konsumieren. Läßt sich eine Serienfigur scheiden und der Rezipient konnte dieses nicht verfolgen weil er die Folge versäumte, so kann dieses dazu führen, daß sich Familientragödien abspielen, Videorecorder gekauft oder an die Wand geworfen werden.

Da durch Mundpropaganda, zum Beispiel am Arbeitsplatz, in der Schule oder in der Freizeit ("...hast Du gestern auch ... gesehen?..."), immer mehr Zuschauer gewonnen werden, steigt natürlich auch der Zuschaueranteil, das heißt, es werden durch die Serien immer mehr Rezipienten und damit auch letztendlich Konsumenten werbewirksam erreicht. Daher beginnt nun eine Serie erst richtig interessant zu werden. Denn jetzt beginnt sich die Vermarktung der Serie zu rentieren. Die Produktionskosten amortisieren sich. Durch die hohen Einschaltquoten während der Sendezeit der Serie steigen die Preise für die zu mietende Werbezeit, denn es können immer mehr potentielle Kunden erreicht werden. Somit ist der Sinn der Serien erreicht worden: Zuschauer und Serienfans werden durch die Serie zu Werbekunden. Doch STAR TREK scheint es geschafft zu haben, sich von diesem Image zu entfernen.

Als STAR TREK am 08. September 1966 das erste Mal im Fernsehen mit dem Pilotfilm "The cage" (es gibt für diese Folge keinen deutschen Titel, da "The cage" niemals im deutschen Fernsehen im Zusammenhang mit der restlichen Serie gesendet wurde) ausgestrahlt wurde, erlebte die Serie eine derartig negative Kritik, daß sich Fernsehsender weltweit dieser Kritik erinnerten, wenn es darum ging Sendeplätze für STAR TREK zu suchen. So schrieb die Zeitschrift "Variety":

  • "STAR TREK bemüht sich offensichtlich um die absolute Bereitschaft, etwas Unwirkliches zu glauben. Aber es wird nicht funktionieren. Selbst innerhalb des Bezugsrahmens der Science Fiction war es zum Auftakt ein unglaubliches und mieses Schlamassel aus Verworrenheit und Vielschichtigkeit ... Unter großzügiger Aufbietung aller Phantasie könnte [die Serie] eine kleine Clique von Kindern anlocken, obwohl sie sich für diese Richtung auf einem unglücklichen Sendeplatz befindet. Sie eignet sich besser für das Kinderprogramm am Samstagmorgen. ..."
  • Und solche Sendeplätze wurden STAR TREK auch lange Zeit bei uns verpaßt. Ob dieses nur die Meinung einiger Kritiker war, ist nicht nachzuvollziehen. Aus einigen anderen Quellen geht jedoch hervor, daß STAR TREK ""The cage" für die NBC-Verantwortlichen zu anspruchsvoll und zu intellektuell, , für ein Standardpublikum war. Es fehlten angeblich Aktion und Abenteuer. Somit wurde Gene Roddenberry, der Schöpfer von STAR TREK aufgefordert, eine neue Pilotfolge zu erarbeiten. Wer war eigentlich dieser Gene Roddenberry, dem wir bis heute immer neue Abenteuer der Enterprise zu verdanken haben?

    Gene Roddenberry wird von Regisseur David Alexander als Mensch voller Widersprüche geschildert: "Ein Kriegsheld, dessen Ideal eine Zukunft ohne bewaffnete Konflikte war; ein maskuliner Typ, der für die Gleichheit von Mann und Frau eintrat; ein Kind der Südstaaten, das sich rassistischen Vorurteilen entgegenstellte; ein Polizist als Intellektueller und Philosoph; ein Bomberpilot, der Gedichte schrieb. Er war ein einfacher Mensch, der die Vielschichtigkeit des Universums verstand, und ein vielschichtiger Charakter, der simple Wahrheiten über den menschlichen Charakter verfaßte. [...]." Roddenberry hatte vor, seine Anliegen wie Rassismus, Kolonialismus und Krieg in einer Serie zu verpacken. Aufgrund der damaligen politischen und gesellschaftlichen Hintergründe in den USA mußte diese Serie als actionreiches Abenteuer in die Zukunft verlegt werden, das weder in den 60gern, noch in den USA der 60ger Jahre spielte, verpackt werden. Dieselben Probleme muß wohl auch Jonathan Swift gehabt haben, als er "Gullivers Reisen" schrieb, denn er verpackte seine Systemkritik in einer "Kindergeschichte". Der Schöpfer von STAR TREK hatte eigentlich nur das Ziel, mit STAR TREK eine Science Fiction Serie zu schaffen.

    Doch was Science Fiction sein sollte, bestimmten damals noch die Bosse von NBC. Also wurde als erste STAR TREK Classic Folge "The man Trap" (dt. Titel "Das letzte seiner Art") gezeigt. Diese Folge ist eigentlich die sechste innerhalb der STAR TREK Classic Serie gewesen, wurde jedoch zur Nummer eins auserkoren, da sie all das zu enthalten schien, was man in der Führungsebene von NBC unter Science Fiction verstand: böse Aliens, schöne Frauen und Aktion (das böse Alien wird entgegen der "Prime Directive"(s. S. 22) diskussionslos getötet, obwohl "es" das letzte seiner Art ist.).

    STAR TREK sollte nach Ansicht von NBC wie ein Western sein, denn Western sind immer Geschichten vom Kampf zwischen Gut und Böse mit einem kleinen Schuß Moral - nur sollte dieser "Western" im All spielen. Dieses liegt daran, daß in den 60ger Jahren in den USA Western wie "Bonanza" sehr beliebt waren und sich der Geldgeber NBC an die Westernwelle ankoppeln wollte. Daher schuf Roddenberry einen "Waggontrain" zu den Sternen, dessen "Crew" in der Zukunft des 23. Jahrhunderts auf seinem Weg durch den Weltraum Menschen und Übermenschen, Aliens, Gangster aus den 20ger Jahren, Römer, Nazis, skrupellose und machthungrige Lebewesen trifft.

    Es gibt keine großen Konflikte zwischen den Mannschaftsmitgliedern. Alle Konflikte in STAR TREK kommen von außen. Roddenberry bemerkte einmal 1989 darüber, daß in STAR TREK so wenig Gewalt auftaucht: "Everyone always wants me to do space battles. Well, screw them. That’s not what STAR TREK is about." Daher baute Roddenberry auch einen vulkanischen Friedensgruß ein, der heute von jedem STAR TREK Fan verstanden wird. Der vulkanische Friedensgruß stammt in Wirklichkeit aus der jüdischen Religionsgeschichte. Er entstammt einem Ritual, welches während des Gottesdienstes zelebriert wird. Der Rabbi formt mit der rechten Hand ein Zeichen für Jave, welches aussieht wie ein "V". Genau dieses Zeichen integrierte Leonard Nimoy, der selber Jude ist, als vulkanischen Friedensgruß in die STAR TREK Classic Serie.

    Dieser "Waggontrain" Roddenberrys findet mit Hilfe eines Raumschiffs statt, der USS Enterprise. "USS Enterprise" heißt übrigens nicht "United States Ship Enterprise" obwohl dieses naheliegt und in den 60gern vielleicht sogar impliziert gewesen sein mag, sondern "United Stars Ship Enterprise".

    STAR TREK selber ist eine futuristische Darstellung der sozialen Belange der USA der 50ger bis 70ger Jahre. In diese Serie ist neben den sozialen Belangen soviel Zeitgeist hineingeflossen, daß sogar die Kleidung in der Serie STAR TREK Classic die Tendenzen der damaligen Zeit widerspiegelt. So tragen Außerirdische zum Beispiel in den Folgen die zum Ende der 60ger Jahre produziert wurden Hippie-Kleidung und weibliche Außerirdische Gogostiefel.

    Obwohl Isaac Assimov, der unter anderem einer der STAR TREK Autoren war, STAR TREK eine "intelligente, interessierte und engagierte Serie" nennt, kam STAR TREK als Serie wohl zu früh für viele Menschen ins Fernsehen, denn sie waren noch nicht reif für solche Ideen und sei es auch nur für die Raumfahrt, die für uns Menschen erst kurz vor dem Jahr 2000 völlig normal erscheint. Zu der Zeit als STAR TREK Classic anlief, hielten die meisten Menschen Raumfahrt für völligen Schwachsinn. Diese Einstellung änderte sich erst nach der Landung Neil Armstrongs auf dem Mond, doch da war STAR TREK Classic schon von den NBC-Verantwortlichen "entsorgt" worden.

    Diese Unreife sieht man z. B. an den Einwänden der Produzenten von NBC. Für sie war ein sehr problematischer Aspekt, daß der Erste Offizier der Enterprise in der Pilotfolge "The cage" eine Frau war. Die TV-Macher hatten Angst, daß Kinder glauben könnten, es würden, so weit von der Erde entfernt mit so vielen Frauen in gehobenen Rängen an Bord, unsittliche Dinge wie Geschlechtsverkehr passieren können. Außerdem sah der außerirdische Spock einerseits nicht so gruselig wie ein "typisches" Alien aus, andererseits aber hatte er spitze Ohren. Das gute Aussehen war wiederum verdächtig, da Aliens grundsätzlich böse sein mußten, damit irdische weiße amerikanische Frauen nicht auf die Idee kommen, mit Aliens Sex zu haben. Zum anderen waren die spitzen Ohren zu satanisch und hätten die religiösen Gefühle der amerikanischen, weißen Christenheit verletzen können.

    Daher forderte man Rodenberry auf, sowohl den Ersten Offizier, als auch den Außerirdischen zu entfernen, da für das Publikum bei solchen Vertretern keine Identifikationsmöglichkeit vorhanden wäre. Roddenberry weigerte sich, den Außerirdischen und den Ersten Offizier zu entfernen und so blieb Spock an Bord und er wurde zu einer der wohl wichtigsten Identifikations- und Integrationsfiguren des STAR TREK Universums. Die "Erste Offizierin" wurde hingegen als Kompromißlösung entfernt, denn die Zeit war noch nicht reif für eine Captain Kathryn Janeway aus der Serie STAR TREK Voyager unserer Tage.

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